Die Apostroph-Katastrophe

Möglich, dass der Deppenapostroph nicht gleich den Weltuntergang bedeutet. Und doch schmerzt es mich, zuzuschauen, wie diese Apostrophitis mehr und mehr um sich greift: Susi’s Hühnerstübchen, Silvia’s Friseursalon, Sam’s Bar. Das wäre ja noch einigermassen zu verkraften, weil man sich hier einfach an die englischsprachige Variante anlehnt. Gemäss Zwiebelfisch ist es im Fall eines Gewerbes akzeptiert: Man kann dort einen Apostroph verwenden. Das hingegen sieht der Duden anders: Der Apostroph werde gelegentlich zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens gebraucht, also beispielsweise Andrea’s Blumenecke (als Abgrenzung zum männlichen Vornamen Andreas). Da ist man sich also uneinig. Noch weitaus schlimmer sind Auswüchse wie: „Auto’s bitte nicht hier abstellen!“ Da kotzt das Texterherz, wie man so schön sagt.

Laut Duden zeigt der Apostroph an, dass ein oder mehrere Buchstaben in einem Wort weggelassen wurden. Ebenso kann er verdeutlichen, dass eine Endung angefügt wurde. In vielen Fällen könnten die Schreibenden selbst entscheiden, ob sie ­einen Apostroph setzen wollen oder nicht, heisst es beim grossen deutschen Rechtschreibwörterbuch. Tatsächlich haben sich die Apostrophregeln mit der letzten Rechtschreibreform geändert. Hier eine kleine Übersicht:

In diesen Fällen kann ein Apostroph verwendet werden:

  • wenn das Pronomen „es“ verkürzt wird: Wird’s bald? Wirf’s weg! Hat’s geschmeckt? Genauso richtig sind aber auch die Varianten ohne Apostroph: Wirds bald? Wirfs weg? Hats geschmeckt?
  • wie oben erwähnt bei der Bezeichnung von Gewerbe mit Eigennamen: Peter’s Plattenladen.
  • wenn der unbestimmte Artikel „ein/eine“ zu „n“ verkürzt wird: Haste mal ’nen Euro? Weil diese Variante zur gesprochenen (hochdeutschen) Sprache tendiert, spielt das in der Schweiz jedoch eine eher kleine Rolle.

In diesen Fällen sollte kein Apostroph mehr verwendet werden:

  • wenn das Endungs-e bei Verben in der ersten Person Singular wegfällt: Ich steh im Regen. Das lass ich mir nicht bieten!
  • das gilt auch für das Endungs-e, das beim Imperativ in der zweiten Person Singular wegfällt: Lass es bleiben! Nun geh schon!

Und in diesen Fällen steht wirklich kein Apostroph:

  • Bei Eigennamen im Genitiv: Peters Bruder, Goethes Gedichte, Zürichs Stadtviertel
  • bei der Verschmelzung des besttimmten Artikels mit vorangehender Präposition: fürs Gewerbe, der Baum fiel direkt aufs Haus, beim Essen, durchs Viertel. 
  • nie, aber auch gar nie beim Plural-s: Autos, Babys, Videos, Hobbys. (Übrigens: Auch Boot’s-Verleih ist falsch!)
  • auch nicht bei Abkürzungen, die im Plural stehen: meine CDs, deine DVDs.
  • Und wirklich nie bei Wörtern, die auf -s enden (ja, auch dort gibt es Leute, die ihre Apostrophs mit der Pfeffermühle verteilen): nichts, rechts, allseits, bereits, stets, nirgends, eigens.
Auf deppenapostroph.info kursiert dieses Foto eines Zürcher Unternehmens. Wollen wir hoffen, dass es mittlerweile geändert wurde…

Ein Apostroph stehen muss in diesen Fällen:

  • bei der Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf s, ss, tz, z und x auslauten. Der Apostroph ersetzt hier das Genitiv-s: Alex‘ Bruder, Hans‘ liebstes Buch, Max‘ Schwester, Ringelnatz‘ Gedichte.
  • bei längeren Auslassungen im Wortinnern: Ku’damm, D’dorf.

So weit, so klar, würde ich sagen. Einzig bei Susi’s Hühnerstübchen und Co. ist man sich – wie oben beschrieben – nicht einig. Ich handhabe das folgendermassen:

  • Andreas Bar gehört Andrea
  • Andreas‘ Bar gehört Andreas
  • Andrea’s Bar gehört einem Idioten
Keine Kommentare vorhanden.